Auf den Text kommt es an

Wie Kommunikation und Artenschutz oft aneinander vorbei reden. Artenschutz wird immer noch als Problemquelle dargestellt und nicht als Lösungsquelle.
Sehr geehrte Damen und Herren,

Ebersberg? Nie gehört.

Das einzige was ich von Ebersberg weiß ist das hier:


So liest sich dieser Teaser:

Artenschutz: Aha. Ja das Thema kenne ich. Mache ich beruflich.
Landkreis Ebersberg: Ja okay. Einer von vielen.
Biber sind nun an allen Gewässern zuhause: Sehr erfreulich! Prima! Wie fast überall. Endlich wieder da.
Noch vor 10 Jahren: Jap. Um 2000 ging es los – Ebersberg war also gut mit dabei.
(…)
Barbara Mooser: aus Ebersberg vermutlich.

Wollen wir mal auf die Leerstelle achten? Auf das (…)

Die untere Naturschutzbehörde erlaubt nun in Einzelfällen die Tötung der Tiere.

Ist das alles, was Ihnen zum Thema Biber einfällt? Ist es das was Sie als eine der wenigen verbliebenen seriösen Tageszeitungen transportieren wollen? Ich bin Paywallgast, der Zaungast der Moderne. Ich lese global viele Zeitungen und schätze alle wegen individueller Details. Alle abonnieren kann ich nicht. Daher lese ich bei Ihnen nur das, was aus untransparenten Gründen freigegeben ist – oder eben bis zur Paywallgrenze. Bei der ZEIT lese ich gar nichts mehr, da dort keine Cookies abgelehnt werden können. Bei der Welt mischt sich mittlerweile Werbung in die Artikel, so dass man plötzlich merkt: „Oh das ist ja Porsche Werbung und gar kein Bericht“. So verändert sich die Medienlandschaft.

Aus fundierten Leserbriefen, die ich nicht schreiben kann, weil ich nicht lesen kann, was man kommentieren könnte wird Teaser-Kritik.

In drei Tagen beginnt die UN-Dekade für die Wiederherstellung von Ökosystemen https://www.decadeonrestoration.org 10 Jahre lang werden wir und damit beschäftigen, wie man Ökosysteme wiederherstellt. 3 Tage davor ist es Ihnen einen zentralen Satz wert, dass man in Ebersberg wieder Biber abmurkst. Biber sind die zentralen Ökosystemingenieure unserer Welt. Ein Biber gestaltet Landschaft und schafft biologische Vielfalt. Ein Biber ersetzt hunderttausende Euro Baggerkosten. Er macht Hochwassermanagement. Er hält Feuchtigkeit in der Landschaft und kühlt diese. Nur wenige Tiere helfen uns derart beim Klimafolgenmanagement und beim eindämmen des Klimawandels. Das Insektensterben wird vom Biber aktiv bekämpft, Libellen, Mücken, Wasserinsekten leben in seinen Teichen. Regionaler Toruismus und Naturerlebnis wird möglich, wenn der Biber Landschaft zu Sehnsuchts- und Genussorten macht. Biber schaffen Ausflugsziele. Biber sind der zentrale Akteur der in drei Tagen beginnenden UN Dekade. Nach der  UN Dekade für biologische Vielfalt wird das die zentrale Dekade zur Umsetzung sein.

Die Süddeutsche Zeitung formuliert gewohnt gelassen und am Puls der Zeit vorbei – oder hat sich unglücklich verformuliert.
Die UNB ist vielleicht Opfer einer unglücklichen Formulierung – meist sind UNBs jedoch nicht der Ort der Naturrettung, denn seit es UNBs gibt ging es mit unserer Natur nicht bergauf.

Die untere Naturschutzbehörde erlaubt nun in Einzelfällen die Tötung der Tiere.

Prima. Zentrale Aussage. Es ist klar, dass man jagt. Es sollte aber noch einiges in den Köpfen passieren, dass diese Aussage nicht der zentrale Satz eines Teasers wird.

Mit freundlichen Grüßen

Philipp Unterweger

https://www.sueddeutsche.de/muenchen/ebersberg/muenchen-ebersberg-biber-artenschutz-toetung-1.5159029?reduced=true

Philipp Unterweger
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